Urs Leuzinger

Leben wie die Pfahlbauer: Archäologe Urs Leuzinger machts möglich

Im Sommer realisiert das Schweizer Fernsehen das «Living-Science-Projekt» mit dem Titel «Pfahlbauer von Pfyn – Steinzeit Live». Dass dies ausgerechnet im Thurgau geschieht, ist nicht zuletzt das Verdienst von Urs Leuzinger (41). Der Archäologe und Konservator des Museums für Archäologie des Kantons Thurgau unterstützt die Fernsehmacher als wissenschaftlicher Berater.

 

Archäologe Urs Leuzinger kann sich zurzeit über fehlende Medienpräsenz nicht beklagen. Seit das Schweizer Fernsehen für sein «Pfahlbauer-TV» tüchtig die Werbetrommel rührt, klopfen Journalisten in Scharen beim Thurgauer Amt für Archäologie an. «Der Rummel ist anstrengend, aber ich geniesse ihn auch», gibt «Leuzi», wie ihn die Kollegen nennen, ganz offen zu und schiebt sogleich nach: «Vom Medieninteresse profitieren natürlich auch das Amt und der ganze Thurgau.»

Offene Türen eingestossen

Als der gebürtige Basler das Vorhaben seinen Vorgesetzten bis hinauf zum Regierungsrat darlegte, stiess er auf offene Türen. Dass sich das Schweizer Fernsehen nach Gotthelfs «Saleweidli» (im Emmental) und «Das Internat» auf der Schatzalp (Davos) nun den Pfahlbauern in der Ostschweiz zuwendet, sei nur recht und billig.

Kein «Big brother im Schlamm»

Allerdings ist dieses Mal der wissenschaftliche Anspruch gross. Dafür bürgt die Begleitung durch den «renommierten Steinzeitforscher», wie der Thurgauer Archäologe inzwischen in den Medien bezeichnet wird. Befürchtungen, die Sache könnte in ein «Big Brother im Schlamm» ausarten, teilt Urs Leuzinger nicht. Die acht bis zehn Personen werden während der vier Wochen in drei Pfahlbauhäusern mit Stall und Gehege leben, wie es den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Pfahlbausiedlung Pfyn Breitenloo entspricht.

Grabungsleiter in Arbon

Die «geniale Grabung» in Arbon, die Urs Leuzinger von 1993 bis 1995 leitete, brachte den jungen Archäologen in Kontakt mit den Koryphäen der Steinzeitforschung, die damals in Scharen nach Arbon pilgerten. Die Auswertungen verband er mit seiner Doktorarbeit, Pfahlbauten wurden zu seinem Spezialgebiet. Mit der Entdeckung des Steinzeitmenschen Ötzi im Südtirol erreichte das Thema ungeahnte Popularität. Seit 1999 leitet Urs Leuzinger das Museum für Archäologie in Frauenfeld, die «Vitrine» des Amtes für Archäologie.